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DE:
Nach vielen Gesprächen in Stuttgart zeichne ich den Comic: Zebras Stories — eine Sammlung von „Love/Hate Stories“* zwischen uns (südost-)asiatischen Deutschen, (südost-)asiatischen Migranten und der Stuttgarter Gesellschaft. Die Geschichten basieren auf alltäglichen Situationen und scheinbar banalen Fragen. Doch viele dieser Situationen können für uns schmerzhaft sein, uns herausfordern oder sogar ein Tabu berühren. Aber warum? Wie und in welchem Maß können wir ALLE in der Gesellschaft gemeinsam und harmonisch leben? ---- "Tabus" existieren nicht, wenn man versteht, wann, wie und warum Neugier angebracht ist. Die Geschichten können erzählen, warum bestimmte Themen für uns als Migranten emotional sind – und wo die Grenze des Respekts liegt. ---- Alle Geschichten hier werden gemischt in Deutsch und Englisch. Warum? Es kommt auf die Situation an. |
EN:
After many (deep) talks with people in Stuttgart, my comic Zebra Stories is released, a collection of Love/Hate Stories between us (Southeast) Asian Germans, (Southeast) Asian migrants, and Stuttgart society. The stories are based on daily life, sometimes funny, sometimes ironic. Yet many of these situations can be painful for us, challenging, or even touch upon taboos. But how can we ALL live together harmoniously in society? ---- All stories will be mixed in German and English. Why? It depends on the situation. |
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1- Neigschmeckte
Auf Schwabisch heißt "nicht aus dem Schwabenland".
Du kommst aus Hamburg? Du bisch „Neigschmecke“. Aus Berlin? Auch „Neigschmecke“. Wann wurdest du zuletzt gefragt, woher du kommst? Wann war es zuletzt so, dass die Leute nicht an dir, sondern an deinen „Wurzeln“ oder deinem „Aussehen“ neugierig waren? Bisch du „Neigschmecke“ in Schwabenland? |
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5- Smalltalk 101
Mehrmals habe ich nicht verstanden, warum man genau wissen möchte:
"wo eine Person herkommt." ** So viele Möglichkeiten:
Es macht mich langsam müde, dass wir nicht wirklich miteinander reden sollen. **Ich meine nur, wenn du meinen Namen überhaupt nicht kennst und mich „einfach“ fragst. Und wer bist du? Vllt. möchte ich gar nicht antworten. 🙂 |
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7- (Deutsches ... oder Stuttgarter) Paradies
Es wird eine (Lebens-)Erfahrung...
Es ist KEIN ORT für ALLE... Dort wird es nicht immer schön aussehen, denn das ist unwichtig. Man braucht "etwas", um es dort erfahren zu können. Ein Besuch ist ohne Verabredung schlicht unmöglich – kein Callcenter, kein Kundenservice, jedes Jahr verändert sich das System. Viel Geduld, viel Kraft, positive Vibes sind die Dinge, die man immer in den Koffer packen muss, wenn man dorthin geht … oder sogar "gehen könnte". "Oh… wie schön ist das Paradies" Und natürlich meinte ich "Berghain". 🤡 |
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8- (m)ein Onkel
Die Umwelt könnte deinen Charakter verändern, sogar deine Identität verformen.
Du sprichst eine andere Sprache, und dann verwendest und beschreibst du Dinge anders. Passiert das bei dir auch so? 🙂🙃 Als ich hierher neu kam, war ich ziemlich schockiert, dass man hier die Eltern beim Namen nennen kann (das ist in der asiatischen Kultur natürlich ein ABSOLUTES NO-GO. In ihren Augen bleibst du immer ein 14-jähriges Kind, egal ob du schon fast 40 Jahre alt bist). In der asiatischen Kultur heißt das: Der Name ist egal, wichtiger wäre der „Status“. „Onkel“ könnte auch kein leiblicher Onkel sein – es kann einfach ein netter Mann sein, der ungefähr so alt ist wie dein Papa. 🥨 Rufst du deine Eltern auch nur mit dem Namen? Oder Nennst du deine netten Nachbarn schon „Onkel, Tante“? Oder „Onggl, Dande“? 🌸 |
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9- A Spot
"Sorry, but I don’t speak Chinese.“
Das habe ich gehört, als ein Verkäufer in einem Touristengebiet eine Reisende vermutlich begrüßte. Dabei lächelte er und ging weiter. lustig … nervig … frustrierend … traumatisierend … Jeder ist anders. Ich frage mich, wann es endet. Und wenn es endet -- was danach möglich wird. |
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„Ich sage (laut), was ich denke.“
Natürlich ist es in manchen Situationen so: Wenn man klar und deutlich kommuniziert, läuft vieles einfacher. Aber natürlich gibt es auch viele Situationen, in denen man besser den Mund hält, keine Kritik äußert und stattdessen versucht, positiv über etwas anderes zu denken. Ist das schwierig? Vor einigen Monaten habe ich eine Sendung über die japanische Kultur gesehen. Dort gibt es zwei Dinge: Common Sense – Dinge, die man in der Gesellschaft tun muss. Manieren – Dinge, die man in der Gesellschaft tun sollte. Wie ist „Common Sense“ und wie sind „Manieren“ in Stuttgart? In Deutschland?... Weltweit?... Ist „ohne Nachfrage zu kritisieren“ eher Common Sense oder Manieren? Ist „erst aussteigen lassen, dann einsteigen“ Common Sense oder Manieren? Ist „nett sein“ Common Sense oder Manieren? Sollte man noch weitere Fragen zu „Common Sense“ oder „Manieren“ stellen? Warum klingt das so schwierig? Und natürlich bin ich keine Japanerin. |
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11- Code Sprache
Das Leben passiert manchmal als ein Paradox: Wir könnten die „Deutung“ unserer Muttersprache tiefer verstehen, wenn wir weitere Sprache(n) lernen und sie häufiger als unsere Muttersprache kommunizieren. Stellt euch vor, viele Leute haben mehrere Muttersprachen. Das ist Respekt!
„Du sprichst sehr abstrakt.“ „Du drückst dich komisch aus.“ Also versuchst du, anders zu erklären, DEUTLICHER und direkter. Deine neue Sprache hat dich verformt. Die Wörter „Alter Ego“ und „Code-Switching“ habe ich neu gelernt. Langsam habe ich selbst bemerkt: Die schönen Wörter aus meiner Muttersprache, die ich früher ganz selbstverständlich benutzt habe, gehen nach und nach verloren, weil niemand mich vollständig verstehen kann. Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzählst du deine Geschichten anders? Das Wort „lost in translation“ habe ich zum ersten Mal aus dem Film von Sofia Coppola gelernt. Zu der Zeit war ich zu jung und naiv, sodass mich der Film nicht wirklich berühren konnte. Jetzt ist es ein noch weiteres Paradox: Mein „lost in translation“ passiert nicht in einer anderen Welt, sondern in meiner ersten Heimat und mit meiner Muttersprache selbst. Aber ich habe mich akzeptiert, wie ich bin, und mit den vielen Versionen in mir. Maybe like „Everything Everywhere… ALLES ZUSAMMEN“ (Yes, i changed their name. :) |
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11- Sense of Humour
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Es gibt einen Spruch auf Thailändisch: „Thais sind lustig.“ (#คนไทยเป็นคนตลก).
Es gibt sogar auch das Wort mit dem Hashtag. Ich selbst denke über mich nach: Ich habe keinen „Sense of Humour“. Aber seit ich schon lange in Deutschland lebe, besonders in Stuttgart, sagen die Leute oft zu mir: „Du bist ja lustig und hast Humor.“ Entweder ist die Gesellschaft sehr streng, dann denken die Leute so. Oder bin ich wirklich lustig – so wie es in meinen Wurzeln liegt? |
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12- And the year we rise...
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"Kann man sich an eine Person ohne Geschichte erinnern?"
ZEBRAS Stories gehen weiter, ohne Ende – nur nicht mehr als Comicstrip geschrieben.* Jeden Tag, den wir leben, bauen wir unsere Geschichte(n). Jede Story hat immer einen Wert, sie zu bewahren (egal ob im Kopf, beim Schreiben oder Zeichnen). Ich bin mega froh, dass Stuttgart meine Idee sehen möchte und unsere Geschichten wahrnimmt. ---- Heute kann deine Geschichte „banal“ sein, aber für die nächsten Generationen könnte sie absolut wertvoll sein. Genauso wie eine Story von meinem Opa, die er mir erzählte, als ich ~in der 5. Klasse war. Es war eine super banale Story, aber sie ist das einzige, was ich von ihm als Erinnerung behalten habe.... |
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